08.04.2019

Thorsten Jekel – Mut statt Wut

"Der Umgang mit digitalen Tools"

Haben wir Mut oder Wut gegenüber der Digitalisierung? Was bedeutet Digitalisierung für mich und für mein Unternehmen? Zu diesen und weiteren Fragen hatte sich eine bunte Runde aus Digital-Natives und Digital-Immigrants im Marmorsaal ausgetauscht. Als Impulsgeber und Referent durften wir dafür Technology Speaker Thorsten Jekel begrüßen, Experte im Bereich Digital Working.

Aus seiner Sicht eines der elementaren Probleme unserer Zeit: IT wird von vielen so genutzt, als würden sie mit einem Porsche 911 im ersten Gang mit 60 km/h auf der Autobahn fahren. Dabei soll Technik uns doch helfen, mehr Zeit für Menschen zu haben.
Dies veranschaulichte er u.a. anhand eines Beispiels aus den USA, bei dem Technik die Abschlussquote beim Autokauf um 20% steigern kann, wenn sich der Verkäufer komplett auf den Kunden einlässt und der Vertrag mit wenig Formularen direkt auf dem Tablet abgeschlossen wird.

Gerade um diese Transformation zu schaffen, braucht es aber die richtigen Führungskräfte, die die richtigen Fragen stellen und ihre Mitarbeiter ermutigen,
digitale und neue Wege zu gehen.In vielen Fällen sind es aber leider nicht die Entscheider, sondern Sachbearbeiter, die auf Mails standardisiert reagieren und antworten. So entsteht dann schnell Wut.

Anders bei Coca Cola. Hier wurde die Frage gestellt: „Wie bekomme ich einen vollen Kühlschrank in einen neuen Kiosk. Aber nicht in 4 Wochen, sondern in 24 Stunden?“
Es galt zu ergründen, wie die Prozesse geändert und digitalisiert werden müssen, damit Kunde und Coca Cola schneller in der Umsetzung sind?

Mut mit der Digitalisierung bleibt bestehen, wenn wir sinnvoll damit umgehen. Alle Digitalisierung darf immer gerne den eigenen Prozess verschlanken, der Nutzen für den Kunden muss aber im Fokus stehen und ein relevantes Problem lösen. Es darf nicht passieren, dass man sich nur mit den besten Apps, aber nicht mit den Lösungen für die echten Herausforderungen beschäftigt. Sonst wird das „Digitale“ immer mehr und komplexer, effizienter aber nicht.

Wir müssen uns in unserem digitalen Handeln öfter kritisch hinterfragen, was Sinn macht -„erst Hirn einschalten“ - und wie uns digitale Tools helfen können, einen Nutzen für den Kunden zu schaffen? „Verkaufst du eine Kiste Cola mehr, weil eine Liste ausgefüllt wird? Wenn nicht, lass‘ es. Wenn es trotzdem wichtig ist, überleg‘ dir eine Lösung, wie du es digital einfacher machen kannst.

Retouren reduzieren durch Scan-Apps, die den Körper vermessen und automatisch die richtige Größe ordern. Digitale Abstimmungen auf Konferenzen, um Meinungen und Stimmungsbilder einzufangen. Live-Snapchat-Brillen-Stream direkt über der Theke beim Fischhändler, um das Frischeversprechen vom Fang einzulösen. Die Möglichkeiten, mit digitalen Tools einen echten Mehrwert zu schaffen, sind oft überraschend und vielfältig.

So vielfältig war dann auch die anschließende Diskussion, in der viele weitere spannende Fragestellungen aus dem Alltag diskutiert wurden. Mit dem notwendigen Mut gegenüber der Digitalisierung liessen wir den Abend aber ganz analog ausklingen. Denn auch das hat Digital Profi Thorsten Jekel oft betont: Es muss dringend auch Nicht-Digitale-Zonen und Zeiten geben.

 
JK/BB