10.12.2018

Tierheim Nürnberg

Wie unterstützt Fundraising die Arbeit eines modernen Tierheims?

Bei durchaus kräftigem Schneefall startete die Abschlußveranstaltung des MCN im Tierheim Nürnberg mit Glühwein, Weihnachtsbier und Lebkuchen. Alles war bestens vorbereitet für das Get-together der rund 50 Teilnehmer, um danach in zwei Gruppen durch die weihnachtlich geschmückten Anlagen des Tierheim geführt zu werden. Eine passende Einstimmung für die anschließende Diskussion und den Vortrag im „Arche Noah Saal“ mit Tanja Schnabel, Leiterin des Tierheim Nürnberg, und Jürgen Vogt, Leiter Marketing und Fundraising.

Das Tierheim und der Tierschutzverein Nürnberg Fürth und Umgebung e.V. sind untrennbar miteinander verbunden. Kerngeschäft ist die Aufnahme- und Weitervermittlung von herrenlosen Haustieren. Dabei steigt der Anteil an alten Tieren im Tierheim über die letzten Jahre deutlich an - „ein Zeichen unserer Zeit und leider auch Abbild unserer Gesellschaft“ wie Tanja Schnabel besorgt ausführte.

Hinzu kommen die Aufgaben, die das Tierheim für die Kommune/Stadt Nürnberg übernimmt: Fundtiere und durch Ordnungsamt und Polizei beschlagnahmte Tiere aufnehmen. Hierbei tritt das als „Animal Hoarding“ bezeichnete Phänomen immer mehr in den Blickpunkt des Tierschutzes, d.h. das krankhafte Sammeln und Halten von Tieren in Privathaushalten, meist auf engem Raum und ohne Mindestanforderungen an Nahrung, Hygiene oder tierärztlicher Versorgung  - etwas, das gerade in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen ist.

Der Tiernotdienst mit Rettungsdiensten ist eine zusätzliche Hauptaufgabe des Tierheims Nürnberg. Wer hätte gewusst, dass dabei gute 70.000 Km Autofahrten für Rettungsdienste auflaufen ... welche leider nicht vollumfänglich von der Stadt getragen werden.

Hinzu kommen Kosten für die Versorgung von 500 Tieren ( bis zu 5.000 Tiervermittlungen pro Jahr), 30 Mitarbeiter, ein eigenes Tierärzteteam mit Kleintierpraxis, Quarantäne-Station, Welpenstation, Tierfriedhof, Hundetrainer, und aufwendige Hygienevorsorge ... alles Kostenblöcke, mit denen das Tierheim konfrontiert ist.

Zum Zweck des Erhalts des Tierheims wurde daher vom Tierschutzverein im Jahre 2014 die „Mensch & Tier GmbH“ mit dem Fundraisingbüro gegründet, denn finanzielle und materielle Mittel für die laufenden Kosten und Bedürfnisse der Tierheimarbeit zu beschaffen ist bei den anfallenden Kostenblöcken keine Aufgabe, die „nebenbei“ erfolgen kann.

Mehr als 2 Mio Euro sind pro Jahr notwendig, um das Tierheim in tadellosem Zustand zu halten und seinen Aufgaben gerecht zu werden. Nur der Bruchteil von 225 T€ wird davon durch die Stadt Nürnberg bezuschusst - leider keine Größenordnung, um die anfallenden Kosten für die kommunale Tierschutzarbeit zu decken. Der Restbetrag von knapp 1,8 Mio€ muss durch Spenden, Mitgliedsbeiträgen und Erbschaften jedes Jahr von Null an erwirtschaftet werden! Ein eigentlich erdrückender Großbetrag - aber nichts, wovor Jürgen Vogt Angst hat. Wie er uns verdeutlichen konnte geht er diese Aufgabe jedes Jahr mit sehr viel Enthusiasmus, Engagement und neuen Ideen an.

„Unsere Vision ist es, das Tierheim Nürnberg langfristig finanziell abzusichern. Als innovatives Unternehmen gehen wir dabei immer neue Wege, um unser Ziel zu erreichen.“, so Jürgen Vogt. Dabei möchte er „weder betteln noch klagen“, sondern betreibt Fundraising strategisch mit klar gesetzten Zielen, Wirkungskontrolle und einem über die Jahre gewachsenem Netzwerk. In seinem Vortrag schilderte er anschaulich und mit großem Herzblut, welche Aktionen besonders gut wirken: Futterpatenschaften, Firmenkooperationen mit Fressnapf Hundemax, Zoo-Dehner, sowie Imagepflege stehen dabei im Fokus. Regelmäßige Informationsveranstaltungen zu aktuellen Themen rund um Tier und Tierschutz, aber auch Sommerfest, Waldweihnacht, Messeauftritte, Social Media etc bieten Mitgliedern und interessierten Menschen die Möglichkeit, den Verein und das Tierheim  kennenzulernen und Mitglied zu werden.

3.400 Mitglieder sind Tanja Schnabel und Jürgen Vogt - auch wegen des großen Einzugsgebiets - noch deutlich zu wenig. Hier gilt es, weiter zu werben. Der Abend mit dem MCN war dafür zwar eine kleine, aber sehr gute Aktion. Dies spiegelt auch das Feedback von Jürgen Vogt und Tanja Schnabel wider: „.. wir werten diese Veranstaltung als vollen Erfolg ... auch freuen wir uns über die tollen Kontakte, die wir knüpfen durften. ... Gerne darf ich mitteilen, dass bei der Verlosung des „Dürer Hasen“ eine stattliche Summe von 805,00 Euro zusammen kam. Vielen Dank für diese tolle Aktion!“

Es war ein MCN Abend mit vielen Eindrücken ... manchmal mit Nachdenklichkeit versehen ... auf jeden Fall mit vielen Gefühlen, bei denen schlussendlich aber die positiven Emotionen überwogen: es wurde verlost, gespendet, diskutiert, gelacht, und gedankt und Anerkennung geschenkt... für so viel Engagement, Herz und Einsatz von Tanja Schnabel und Jürgen Vogt und ihrem Team sowie für die vielen Ehrenamtlichen und Spender.  

„Manchmal passieren dann auch noch schöne Sachen ganz nebenbei, ... (es wurde) noch eine Futterpatenschaft in nicht unbeachtlicher Höhe für unsere Tiere abgeschlossen. Das darf ich dann doch als ein schönes „Folgegeschäft“ verbuchen.“ so Vogt in seinem Dankschreiben an uns am Folgetag.

In diesem Sinne, Dank an alle, die diesen Abend möglich gemacht und mit gestaltet haben!  Es war ein würdiger Jahresabschluss.

Mit passenden Worten verabschiedete uns unser Präsident, Peter Hache, und resümierte 2018 als ein besonders aktives, interessantes und sehr erfolgreiches MCN Jahr und entließ uns in die Winterferien...

/ BB /